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Grundlagen

Saxenda oder Wegovy: Liraglutid täglich gegen Semaglutid wöchentlich

Zwei Wirkstoffe, zwei Anwendungsrhythmen, eine direkte Vergleichsstudie. Was STEP 8 gemessen hat, wie sich Titration und Verträglichkeit unterscheiden und wo die Zulassungen auseinandergehen.

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Worum es geht

Zwei Wirkstoffe, zwei Anwendungsrhythmen, eine direkte Vergleichsstudie. Was STEP 8 gemessen hat, wie sich Titration und Verträglichkeit unterscheiden und wo die Zulassungen auseinandergehen. Dies ist Information zur Aufklärung, kein Ersatz für die ärztliche Fachperson, die Ihren Fall kennt. Wirkstoff- und Markennamen stehen durchgehend nebeneinander: Semaglutid (Ozempic, Wegovy), Tirzepatid (Mounjaro).

Kurz gefasst

Saxenda enthält Liraglutid und wird einmal täglich gespritzt. Wegovy enthält Semaglutid und wird einmal wöchentlich gespritzt. Beide sind zur Gewichtsregulierung zugelassen, und beide sind verschreibungspflichtig.

Es gibt für diesen Vergleich eine direkte Studie, und das ist selten. STEP 8 verglich Semaglutid 2,4 mg wöchentlich mit Liraglutid 3,0 mg täglich bei 338 Erwachsenen über 68 Wochen. Die mittlere Gewichtsveränderung lag bei 15,8 Prozent unter Semaglutid und 6,4 Prozent unter Liraglutid, ein Unterschied von 9,4 Prozentpunkten. Unter Placebo waren es 1,9 Prozent.

Magen-Darm-Nebenwirkungen traten in beiden Gruppen fast gleich häufig auf, 84,1 gegenüber 82,7 Prozent. Abgebrochen haben trotzdem unterschiedlich viele: 13,5 Prozent unter Semaglutid, 27,6 Prozent unter Liraglutid. Woran das liegen könnte, steht weiter unten, und die Antwort ist nicht nur die Verträglichkeit.

Diese Seite vergleicht zwei Präparate. Einen Überblick über die gesamte Wirkstoffgruppe, also auch über Ozempic und Mounjaro, gibt unser Abnehmspritzen-Ratgeber.

Zwei Moleküle, nicht zwei Marken desselben

Liraglutid und Semaglutid sind beides GLP-1-Rezeptoragonisten, aber nicht derselbe Stoff in verschiedener Verpackung. Die EMA beschreibt für beide dieselbe Grundidee: Der Wirkstoff wirkt wie das körpereigene Hormon GLP-1, verstärkt das Sättigungsgefühl und verringert dadurch Nahrungsaufnahme, Hunger und Appetit.

Der Unterschied, der im Alltag ankommt, liegt in der Verweildauer im Körper. Semaglutid bleibt so lange wirksam, dass eine wöchentliche Anwendung möglich ist. Liraglutid nicht, deshalb wird es täglich gegeben. Das ist kein Komfortmerkmal, das der Hersteller gewählt hat, sondern eine Eigenschaft des Moleküls.

Der Anwendungsrhythmus

Saxenda wird einmal täglich subkutan in Oberschenkel, Oberarm oder Bauch gespritzt. Wegovy einmal wöchentlich, ebenfalls subkutan, und an einem festen Wochentag.

Über ein Jahr gerechnet sind das rund 365 gegenüber 52 Anwendungen. Für manche Menschen ist die tägliche Routine leichter, weil sie zum Zähneputzen gehört und nicht vergessen wird. Für andere ist die wöchentliche Anwendung der entscheidende Vorteil.

Auch die Regelung für eine vergessene Dosis unterscheidet sich und ist nicht übertragbar. Bei Saxenda soll die Dosis laut Fachinformation nachgeholt werden, wenn weniger als zwölf Stunden vergangen sind; bleiben weniger als zwölf Stunden bis zur nächsten, wird nicht nachgeholt, und es wird weder eine Extradosis gespritzt noch die nächste erhöht. Bei Wegovy sind es fünf Tage.

Die Titration dauert unterschiedlich lang

Bei Saxenda beträgt die Anfangsdosis 0,6 mg einmal täglich. Gesteigert wird in Schritten von 0,6 mg im Abstand von mindestens einer Woche, über 1,2 mg, 1,8 mg und 2,4 mg bis zur Erhaltungsdosis von 3,0 mg täglich. Das Schema ist auf vier Wochen angelegt. Höhere Tagesdosen als 3,0 mg werden nicht empfohlen. Wird eine Steigerung in zwei aufeinanderfolgenden Wochen nicht vertragen, ist laut Fachinformation ein Abbruch der Behandlung in Betracht zu ziehen.

Bei Wegovy wird über 16 Wochen aufgebaut: 0,25 mg in den Wochen 1 bis 4, dann 0,5 mg, 1 mg, 1,7 mg und schließlich die Erhaltungsdosis von 2,4 mg wöchentlich. Die Fachinformation sieht außerdem vor, dass die Dosis bei Erwachsenen mit einem Ausgangs-BMI von mindestens 30 nach mindestens vier Wochen auf 2,4 mg auf 7,2 mg einmal wöchentlich erhöht werden kann, und dass auf 2,4 mg zurückzugehen ist, wenn sich das Gewicht darunter nicht weiter verbessert.

Vier Wochen gegen 16 Wochen klingt nach einem Vorteil für Saxenda. Praktisch heißt es vor allem, dass die unangenehme Phase bei Saxenda dichter liegt und bei Wegovy über ein Vierteljahr verteilt ist. Welche Wirkstärke verordnet wird, entscheidet in beiden Fällen die verordnende Ärztin; das Wegovy-Schema beschreibt unser Text zur Wegovy-Dosierung im Detail.

Die Studienzahlen nebeneinander

STEP 8 ist der belastbarste Teil dieses Vergleichs, weil beide Wirkstoffe in derselben Studie an derselben Population gemessen wurden. Eingeschlossen waren 338 Erwachsene ohne Diabetes mit einem BMI von mindestens 30, oder mindestens 27 mit einer gewichtsbezogenen Begleiterkrankung, an 19 US-Zentren über 68 Wochen. 126 erhielten Semaglutid 2,4 mg wöchentlich, 127 Liraglutid 3,0 mg täglich, 85 Placebo.

Eine Abnahme von mindestens 10 Prozent erreichten 70,9 Prozent unter Semaglutid und 25,6 Prozent unter Liraglutid, mindestens 15 Prozent erreichten 55,6 gegenüber 12,0 Prozent, mindestens 20 Prozent erreichten 38,5 gegenüber 6,0 Prozent.

Eine methodische Einschränkung gehört dazu: Der Vergleich zwischen Semaglutid und Liraglutid war offen, also nicht verblindet. Verblindet waren nur die Vergleiche der beiden Wirkstoffe gegen ihre jeweiligen Placebos. Bei einem Endpunkt wie Körpergewicht wiegt das weniger schwer als bei subjektiven Endpunkten, aber es ist kein Detail.

In STEP 8 lag die mittlere Gewichtsveränderung nach 68 Wochen bei 15,8 Prozent unter Semaglutid 2,4 mg wöchentlich, 6,4 Prozent unter Liraglutid 3,0 mg täglich und 1,9 Prozent unter Placebo.
STEP 8, 338 Erwachsene ohne Diabetes an 19 US-Zentren, 68 Wochen. Der Vergleich der beiden Wirkstoffe war offen, nicht verblindet.

Was die getrennten Zulassungsstudien zeigen

Neben dem direkten Vergleich gibt es für jeden Wirkstoff eine eigene, viel größere Studie. Die Zahlen daraus werden oft nebeneinandergelegt, und das ist der schwächere Vergleich.

Für Liraglutid 3,0 mg ist das SCALE Obesity and Prediabetes: 3731 Menschen ohne Typ-2-Diabetes über 56 Wochen. Die Liraglutid-Gruppe verlor im Mittel 8,4 kg, die Placebo-Gruppe 2,8 kg. Mindestens 5 Prozent ihres Gewichts verloren 63,2 gegenüber 27,1 Prozent, mehr als 10 Prozent verloren 33,1 gegenüber 10,6 Prozent. Für Semaglutid 2,4 mg ist es STEP 1: 1961 Erwachsene ohne Diabetes über 68 Wochen, mit 14,9 Prozent gegenüber 2,4 Prozent unter Placebo. Beide Studien wurden von Novo Nordisk finanziert.

Diese Studien hatten verschiedene Laufzeiten, Populationen und Auswertungsmethoden. Dass die Richtung dieselbe ist wie in STEP 8, stützt das Ergebnis. Die genauen Zahlen gegeneinander aufzurechnen, tut es nicht.

Verträglichkeit: der Unterschied liegt nicht in der Häufigkeit

Dies ist die Stelle, an der die meisten Vergleichstexte ungenau werden. In STEP 8 waren Magen-Darm-Nebenwirkungen in beiden Gruppen praktisch gleich häufig: 84,1 Prozent unter Semaglutid, 82,7 Prozent unter Liraglutid.

Abgebrochen haben die Behandlung aus beliebigem Grund aber 13,5 Prozent unter Semaglutid und 27,6 Prozent unter Liraglutid, also etwa doppelt so viele.

Die naheliegende Deutung, Liraglutid sei schlechter verträglich, greift zu kurz, denn das Protokoll behandelte die beiden Gruppen unterschiedlich. Teilnehmende, die 2,4 mg Semaglutid nicht verträgen, konnten auf 1,7 mg zurückgehen und in der Studie bleiben. Teilnehmende, die 3,0 mg Liraglutid nicht verträgen, mussten die Behandlung beenden und konnten die vierwöchige Titration neu beginnen.

Dieser Unterschied steht im Studiendesign und trägt plausibel zur Abbruchlücke bei. Wie groß dieser Anteil ist, lässt sich aus dem Ergebnis nicht ablesen, und wir behaupten es hier nicht. Welche Beschwerden in dieser Wirkstoffgruppe insgesamt auftreten, behandeln wir auf der Seite zu den Nebenwirkungen der Abnehmspritze.

Die Anwendungsgebiete gehen im Detail auseinander

Bei Erwachsenen sind die Zulassungen nahezu deckungsgleich: ein Ausgangs-BMI von mindestens 30, oder von 27 bis unter 30 bei mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung, jeweils als Ergänzung zu kalorienreduzierter Ernährung und mehr Bewegung.

Bei jüngeren Patienten unterscheiden sie sich. Wegovy ist zusätzlich zugelassen für Jugendliche ab 12 Jahren mit Adipositas und einem Körpergewicht über 60 kg. Saxenda ist ebenfalls ab 12 Jahren zugelassen und darüber hinaus für Kinder von 6 bis unter 12 Jahren mit Adipositas, die mindestens 45 kg wiegen. Die Behandlung von Kindern soll laut Fachinformation von einer Ärztin begonnen werden, die Erfahrung mit Adipositas bei Kindern hat.

Beide Fachinformationen enthalten außerdem eine Abbruchregel, die in Vergleichen fast immer fehlt. Saxenda ist bei Erwachsenen nach zwölf Wochen mit 3,0 mg täglich abzusetzen, wenn nicht mindestens 5 Prozent des ursprünglichen Körpergewichts verloren wurden. Für Wegovy nennt die Fachinformation eine entsprechende Zwölf-Wochen-Regel bei jugendlichen Patienten.

Was die Zahlen nicht entscheiden

STEP 8 zeigt für Semaglutid die deutlich größere mittlere Abnahme. Daraus folgt nicht, dass es für jeden Menschen die richtige Wahl ist.

Ein täglich gespritztes Präparat, das vertragen wird und angewendet wird, ist wirksamer als ein wöchentliches, das nach zwei Monaten im Kühlschrank liegen bleibt. Lieferfähigkeit, Kosten, Begleiterkrankungen, Begleitmedikation und das Alter des Patienten gehören ebenfalls in die Abwägung, und keine dieser Größen steht in einer Prozentzahl.

Diese Abwägung trifft die verordnende Ärztin oder der verordnende Arzt, und sie ist der Grund, warum wir hier keine Empfehlung aussprechen. Wer die Entscheidungsfrage noch grundsätzlicher stellt, findet unseren Text dazu, welche Abnehmspritze die beste ist.

Häufige Fragen

Ist Wegovy wirksamer als Saxenda?

In der direkten Vergleichsstudie STEP 8 lag die mittlere Gewichtsveränderung nach 68 Wochen bei 15,8 Prozent unter Semaglutid 2,4 mg wöchentlich und 6,4 Prozent unter Liraglutid 3,0 mg täglich, ein Unterschied von 9,4 Prozentpunkten. Das ist ein Gruppenmittelwert und keine Aussage über einen einzelnen Verlauf.

Warum wird Saxenda täglich und Wegovy wöchentlich gespritzt?

Weil es verschiedene Moleküle sind. Semaglutid bleibt lange genug wirksam, dass eine wöchentliche Anwendung möglich ist, Liraglutid nicht. Der Rhythmus folgt aus der Eigenschaft des Wirkstoffs, nicht aus einer Produktentscheidung.

Ist Saxenda schlechter verträglich?

In STEP 8 waren Magen-Darm-Nebenwirkungen in beiden Gruppen fast gleich häufig, 84,1 gegenüber 82,7 Prozent. Abgebrochen haben 13,5 gegenüber 27,6 Prozent. Dabei ist zu beachten, dass das Protokoll bei Unverträglichkeit von Semaglutid einen Rückgang auf 1,7 mg erlaubte, bei Liraglutid dagegen den Abbruch vorsah.

Welches Präparat ist für Kinder zugelassen?

Saxenda reicht weiter nach unten: zugelassen ab 12 Jahren bei Adipositas und über 60 kg sowie für Kinder von 6 bis unter 12 Jahren mit Adipositas ab 45 kg. Wegovy ist für Jugendliche ab 12 Jahren mit Adipositas und über 60 kg zugelassen.

Wie lange dauert die Dosissteigerung jeweils?

Bei Saxenda ist das Schema auf vier Wochen angelegt, in Schritten von 0,6 mg im Abstand von mindestens einer Woche bis 3,0 mg täglich. Bei Wegovy sind es 16 Wochen bis zur Erhaltungsdosis von 2,4 mg wöchentlich. Die tatsächliche Dosis legt die verordnende Ärztin fest.

Quellen

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Keine medizinische Beratung. Die Inhalte auf GLP1-Magazin dienen ausschließlich der Information. Konsultieren Sie immer Ihren behandelnden Arzt, bevor Sie ein Medikament beginnen, beenden oder ändern. Siehe unseren vollständigen medizinischen Hinweis.